Blendensterne

Ponte Sant'Angelo - Rom - Blendensterne - fotoideen.eu

Sternförmige Lichter auf Fotos, so genannte Blendensterne, sind ein oft gern gesehener Blickfang vor allem bei nächtlicher Architekturfotografie.

Entstehen können diese optischen Artefakte vor allem bei Nacht, aber auch bei Tag und zwar in beiden Fällen bei hellen und punktförmigen und damit kontrastreichen Lichtquellen wie Spitzlichtern bzw. Reflexionen auf Wasseroberflächen, Straßenlaternen usw. Je stärker der Kontrast ist und je punktförmiger die scheinbare Ausdehnung der Lichtquelle ist, desto mehr heben sich die Blendensterne ab und sind weniger diffus. Deswegen sind weiter entfernte Lichtquellen besser für Blendensterne geeignet.

Glitzern auf Wasser - fotoideen.euVereinfacht erklärt ist die dafür verantwortliche Ursache folgende: Das Licht der punktförmigen Lichtquelle fällt durch die Blende und wird aufgrund der Beugung des Lichts an den Rändern der Blende etwas unscharf abgebildet. Diese Beugungsunschärfe ist auch der Grund für die zunehmende Unschärfe bei immer kleinerer Blende.

Ist die Blende komplett kreisförmig (z. B. Kameras mit Lochblende oder Revolverblende) tritt dieser Effekt in Form einer ebenfalls kreisförmigen, gleichmäßigen und diffusen Überlagerung des Lichts auf, die nach außen hin rasch schwächer wird.

Handelt es sich bei der Blende um eine Lamellenblende, liegt jedoch kein Kreis vor, sondern ein Polygon mit geraden Kanten. Im rechten Winkel zu den Kanten tritt der Beugungseffekt deswegen verstärkt auf und bildet den Stern.

Bei einer geraden Anzahl an Lamellen überlagern sich dabei die Strahlen der gegenüberliegenden Lamellen und dadurch scheint es, als würde man nur eine den Lamellen entsprechende Anzahl an Strahlen sehen. Bei einer ungeraden Anzahl kann diese Überlagerung aufgrund der fehlenden Symmetrie nicht auftreten und man erhält somit die doppelte Anzahl an Strahlen. Das bedeutet, dass z. B. eine Blende aus sieben Lamellen vierzehn Strahlen erzeugt und eine Blende aus sechs Lamellen nur sechs Strahlen.

Wissenschaftlich betrachtet behandelt das Thema viel Physik und würde hier zu weit führen. Weiterführend empfehle ich hier zum Einstieg die Wikipedia Einträge zu: BeugungBeugungsunschärfe und Diskrete Fourier-Transformation.

Zusätzlich entscheidet neben der Blendenform vor allem die Blendengröße über die Stärke des Beugungseffekts. Je kleiner die Blendenöffnung, desto mehr Licht ist von der Beugung betroffen und der Blendenstern wird größer. Die Blendenöffnung ist dabei nicht mit der Blendenzahl zu verwechseln, da die Blendenzahl z. B. f/1.4 auch von der Brennweite f abhängt. Siehe hierzu auch Blendenzahl auf Wikipedia. Kürzere Brennweiten bei gleicher Blendenzahl begünstigen also Blendensterne.

Digitale Kompaktkameras haben meist kleine Sensoren, kurze Brennweiten und kleine Blendenöffnungen, so dass sie auch bei offener Blende Blendensterne erzeugen, während Spiegelreflexkameras mit kleineren Blenden (bei einer Spiegelreflexkamera mit Cropfaktor benötigt man eine Blendenzahl von ca. f/16) arbeiten müssen, um den gleichen Effekt zu erreichen. Und bei manchen digitalen Kompaktkameras ist wegen fester kreisförmiger Blenden kein Blendenstern möglich.
Straße in Rom - fotoideen.eu

Aufgrund der Gegenlichtsituation bei Aufnahmen, in denen man Blendensterne erzeugen möchte, entstehen Blendenflecke (lens flare) durch das im Objektiv zwischen den Linsen hin- und hergeworfene Licht.

Man kann diesen Effekt durch Streulichtblenden mindern, indem man ungünstig liegende Lichtquellen außerhalb des Bildes platziert und mit der Steulichtblende deren einfallendes Licht ausgrenzt, jedoch nicht ganz vermeiden.

Filter vor der Linse, wie z. B. Schutzfilter sollten immer entfernt werden, da diese die Blendenflecke begünstigen.

Wirklich störende Blendenflecke können evtl. in der Nachbearbeitung entfernt werden.

Blendensterne bei Nacht

Es gilt wie bei jeder Nachfotografie: Ein Stativ ist Pflicht, vor allem aufgrund der notwendigen kleinen Blende. Optimalerweise hat man einen Fernauslöser zur Hand. Sollte man keinen haben, hilf im Notfall auch der Selbstauslöser der Kamera Verwacklungen zu vermeiden.

Desweiteren benötigt man bei einer Spiegelreflexkamera abhängig von der Brennweite und Kamera eine Blendenzahl zwischen f/8 und f/22. Meistens ist ein Wert von f/16 eine gute Wahl. Hier sollte man einfach probieren, da man bei den unzähligen Kameramodellen und Objektiven keine generelle Aussage treffen kann.

Der ISO-Wert sollte niedrig (ISO 100) und die Belichtungszeit sollte lang gewählt werden, von 0,5 Sekunden bis hin zu am Besten 30 Sekunden, da die Strahlen dann kontrastreicher werden.

Hat man weniger Zeit zur Verfügung, weil z. B. Autos dauernd in die Szene reinfahren, kann man sich mit einem höheren ISO einer kürzeren Belichtungszeit annähern.

Übrigens kann man auch den Mond bei solchen Aufnahmen mit einbauen. Da er von der Sonne angestrahlt wird, ist er sehr hell und mit ein wenig Glück kann man z. B. bei Weitwinkelaufnahmen auch beim ihm solche Strahlen erzeugen.

Am schönsten wirken nächtliche Beleuchtungen übrigens zur blauen Stunde.

Blendensterne bei Tag

Wichtig ist die Kamera nie direkt gegen die Sonne zu richten und auch indirekt nicht zu lange, da die Linsen des Objektivs wie ein Brennglas wirken und die fokussierten Sonnenstrahlen entsprechend ein Risiko für die Augen als auch für den Sensor darstellen. Das Risiko für den Sensor ist lediglich bei Kameras mit einem Verschluss geringer, sofern man von Langzeitbelichtungen absieht, da der Sensor nur kurz belichtet wird, sofern nicht der Live View aktiviert ist.

Es gilt die Faustregel, dass man nur dann in die Sonne fotografieren sollte, wenn man ohne Anstrengungen und ohne Sonnenbrille in sie blicken kann.

Die Sonne sollte deswegen eher morgens und abends fotografiert und für schöne Effekte ein wenig abgedeckt werden, z. B. durch eine Gebäudekante oder den Kopf einer Person.

Ansonsten sollte man beachten bei weiter entfernten und großen Objekten mit einer entsprechenden Lichtmessung auf das Hauptmotiv oder der Belichtungskorrektur einer Unterbelichtung der Umgebung und des Hauptmotivs entgegenzusteuern, da die Kamera durch die Sonne denkt, es wäre hell genug. Bei nahen Objekten muss evtl. ein Aufhellblitz zu Hilfe genommen werden.

Auch für Blendensternen bei Tag ist ein niedriger ISO-Wert (ISO 100) und eine kleine Blende (f/16) zu wählen, jedoch ist im Gegensatz zu Nachtaufnahmen eine kurze Belichtungszeit notwendig.

Blendenflecke werden sich tagsüber übrigens kaum vermeiden lassen. Die Sonne ist vor allem im Sommer bis auf morgens und abends zu hell und deswegen besonders abseits dieser Zeiten auch keine wirklich punktförmige Lichtquelle.

Motivtipps für Blendensterne

  • Nachtaufnahmen von Gebäuden mit eigenen Lampen oder Straßenlaternen
  • Mond bei Architekturaufnahmen einbauen
  • Weihnachtslichter
  • Kerzen
  • spiegelnde Oberflächen, z. B. auf verchromten Automobilen
  • glitzerndes Wasser
  • Wassertropfen auf Pflanzen, in denen sich die Sonne bricht
  • Sonne zwischen Bäumen
  • Sonne zwischen zwei Personen
  • Sonne knapp hinter dem Kopf einer Person
  • Sonne schräg hinter einem Gebäude

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.